Mikrofiktion

You´re Fired!

»Oh, Frau Bormann, sie hatten ja gestern Geburtstag!«

»Ja, gestern!« Du dämliches Arschloch! Was soll das hier werden? Einen auf gut Freund machen und mich gleichzeitig rauswerfen?

»Dann wünsche ich ihnen hiermit alles Gute!« Er streckte mir seine Hand entgegen und schielte verstohlen in Richtung der Wanduhr.

»Das weiß ich sehr zu schätzen!« Und Jetzt? Erwartest du ernsthaft, dass ich dir meine Hand reiche, während ich in der Anderen meine Kündigung halte?

Gedanklich war ich von meinem hautengen Kleid und den Pumps mit sieben Zentimeter Absätzen, so weit entfernt wie ein Fisch vom Fliegen. Meine stahlkappenbesetzten Kampfstiefel eigneten sich hervorragend dazu, Eier von Flachwichsern einzutreten. Ich schlug meinen Trenchcoat auf. Die beiden Handgranaten und das mit Panzertape an meinem Schultergurt befestigte zweiundzwanzig Zentimeter Bowiemesser, ließen ihn zittern.

Er starrte mich an, fiel auf die Knie und riss seine spirreldünnen Ärmchen nach oben. Eine Träne kullerte über seine Wange, während er mich anflehte, Gnade walten zu lassen.

Zu spät. Ich lachte hämisch wie ein durch medizinische Selbstversuche verrückt gewordener Superschurke, nahm meine abgesägte Schrotflinte und schoss ihm frontal ins Gesicht. In seiner vor Angst erstarrten Pose, klappte sein Kopf nach hinten. Nach dem zweiten Schuss ließ die Wucht der Null-Null Schrotmunition, nicht viel mehr als einen zerfetzten Stumpf zurück, aus dem das Blut pulsierend bis an die Decke spritzte.

»Frau Bormann, geht es ihnen gut?«, fragte mich seine Stimme aus dem Off.

»Ahja, danke, auf Wiedersehen!«

Beim Verlassen des Büros ärgerte ich mich, dass ich die Handgranaten umsonst mitgeschleppt hatte.

 

© November/2018 Sophie Brandt

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